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28.04.2017

Eintrag 001/17 Was mit "Zeit für Gerechtigkeit!" gemeint ist

Mein Sohn Anton ist jetzt gut anderthalb Jahre alt. Leider kann ich ihn nicht an jedem Abend ins Bett bringen. Aber wenn ich es schaffe, schaue ich ihm unheimlich gerne beim Einschlafen zu. Nach der Hektik des Tages ist das meist der erste Moment, in dem ich richtig durchatmen und die Gedanken schweifen lassen kann. Was mir dann so durch den Kopf geht, hat eigentlich nur selten mit Politik zu tun. Letztens kam mir aber ein Gedanke, den ich vorher so noch nicht gehabt hatte: Was müsste ich politisch bewirken, um das Leben von Anton wirklich besser zu machen?

In Antons Generation soll jeder seine Talente entfalten und sein Leben so gestalten können, wie er sich das wünscht, ohne dass es dabei auf den Geldbeutel der Eltern ankommt. Diesen Bedürfnissen, die jeder Mensch in sich trägt, endlich nachzukommen, ist eigentlich mein wichtigstes Anliegen. Ich glaube, nur wenn es uns endlich gelingt, dass die Schere von Arm und Reich nicht weiter auseinander geht, werden wir den sozialen Frieden in unserem Land bewahren können.

Ich verstehe auch nicht, warum so viele Menschen diese Ungerechtigkeiten leugnen oder sich nicht darum kümmern. Denn am Ende wird auch jeder Wohlhabende oder Reiche davon betroffen sein, wenn Kriminalität und Gewalt in unserer Gesellschaft durch die wachsende Ungleichheit ansteigen.

Um jedem Kind sein Leben selbst in die Hand zu geben, muss es von Anfang an gut gefördert werden. Am wichtigsten sind dabei natürlich die Eltern. Es gibt aber auch Eltern, die wegen Überforderung oder aus anderen Gründen nicht dazu in der Lage sind, ihr Kind optimal zu versorgen. Meine Frau Alexandra hat einige Zeit in einer Kindertageseinrichtung gearbeitet, wo genau für solche Familien eine systemische Therapie angeboten wurde. Ich fand diesen Ansatz immer gut, weil ich auch glaube, dass die meisten Probleme, die Kinder haben, letztlich durch ihr gesamtes Umfeld verursacht werden.

Überall, wo die Versorgung von Babys oder Kleinkindern nicht optimal gelingt, sollte der Staat sanft, aber bestimmt helfen. Das beginnt nach meiner Vorstellung schon in der Kindertagesstätte. Als Anton in die Kita kam, haben wir bemerkt, was für einen unheimlichen Entwicklungsschub er dort gemacht hat. Meine Frau, die jetzt als Erzieherin arbeitet, berichtet mir zum Teil von Kindern, die erst im Kindergarten viele Fähigkeiten erlernen müssen: Dinge, die man eigentlich schon längst im Elternhaus hätte mitbekommen können. Gut, dass es die Kita gibt, die solche Versäumnisse nachholt.

Deshalb ist die Kita in meinen Augen der Schlüssel dazu, den Kindern ihr Leben selbst in die Hand zu geben. Es ist vernünftig, die Kita-Beiträge sozial zu staffeln. Im Idealfall gelingt es uns, die Elternbeiträge ganz abzuschaffen. Mein Ziel für für die Welt in der Anton aufwächst, ist es also, eine qualitativ hochwertige Kita für alle Kinder anzubieten, die beitragsfrei arbeitet.

Mit meinem Sohn Anton auf dem Weihnachtsmarkt in Gransee.