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01.07.2017

Eintrag 006/17 Liebe ist Liebe

Ich habe eine ganze Reihe homosexueller Freundinnen und Freunde. Für manche von ihnen mag die Ehe eine Option sein, für andere nicht. Aber dass sie jetzt die Wahl haben, finde ich gut! Mit der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ist unsere Gesellschaft gestern ein Stück liberaler geworden. Durch zwei Worte, die im Bürgerlichen Gesetzbuch ergänzt wurden, ändert sich das Leben vieler Menschen, weil jetzt erlaubt ist, dass die Ehe zwischen zwei Menschen gleichen, oder eben verschiedenen Geschlechts geschlossen werden kann. Damit können auch homosexuelle Paare Kinder adoptieren. Das war auch vorher schon möglich, allerdings sehr kompliziert. Künftig gilt für sie das gleiche Recht, wie für heterosexuelle Adoptiveltern.

Als Abgeordneter hätte ich mit „Ja“ gestimmt

Nach all den Jahren, in denen dieses Thema diskutiert wurde, halte ich das für den richtigen Schritt. Der erste Gesetzentwurf zur Ehe für alle stammt aus dem Jahr 1994. In dieser Woche, nach 23 Jahren Debatte, hat der Bundestag sie endlich beschlossen. Da finde ich es schon komisch, wenn konservative Politiker von einem "überstürzten" Gesetz sprechen. 80 Prozent der Deutschen begrüßen diesen Schritt und ich gehöre auf jeden Fall dazu. Deswegen hätte ich als Abgeordneter mit "Ja" gestimmt. Nicht aus Kalkül, sondern aus Überzeugung - Denn unsere Region hat einen weltoffenen Direktkandidaten verdient, der sich in einer so wichtigen Frage nicht hinter verfassungsrechtlichen Bedenken versteckt.

Kinder brauchen die Liebe und Zuneigung ihrer Eltern

Ich kann die Ansicht mancher Leute nicht nachvollziehen, wonach durch die Öffnung der Ehe heterosexuelle Lebenspartner diskriminiert würden. Denn durch das Gesetz wird niemandem etwas weggenommen. Der Staat sollte Bürgerinnen und Bürgern nicht vorschreiben, wen sie heiraten dürfen. Auch die Behauptung, die Erziehung homosexueller Paare schade dem Kindeswohl und würde die kindliche Entwicklung beeinträchtigen, halte ich für falsch. Ob es adoptierten Kindern gut geht, hängt nicht davon ab, ob die Eltern hetero- oder homosexuell sind, sondern wie viel Liebe und Zuneigung sie von ihren Eltern bekommen.

Prinzip der Prinzipienlosigkeit beim politischen Mitbewerber

Nachdem Martin Schulz auf dem Dortmunder Parteitag die Ehe für alle zur Bedingung für einen erneuten Regierungseintritt der SPD gemacht hatte, hat die Bundeskanzlerin ihre Meinung wieder einmal kurzfristig geändert und von einem "Besser eher nicht" auf ein "Aber kann eventuell auch nicht schaden" umgeschaltet. Der inhaltlichen Auseinandersetzung und dem politischen Streit, von dem die Demokratie lebt, entzieht sie sich komplett. Während die SPD konkrete Konzepte auf Basis ihrer Werte erarbeitet und vorlegt, findet der Wähler bei ihrem politischen Mitbewerber nur das Prinzip der Prinzipienlosigkeit.

Vor der Diskriminierung Homosexueller die Augen verschlossen

Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der niemand aufgrund seiner Herkunft, seiner Meinung, seines Glaubens oder seiner sexuellen Orientierung diskriminiert wird. Aber gerade Homosexuelle haben trotzdem immer wieder gesellschaftliche Diskriminierung und auch eine Diskriminierung durch die Politik erleiden müssen. Jahrelang haben CDU/CSU und insbesondere die Bundeskanzlerin davor die Augen verschlossen. Es ist wichtig, dass die Politik durch diese Entscheidung das Signal aussendet, dass wir Diskriminierung und Homophobie, die in unserer Gesellschaft existiert, nicht hinnehmen. Am Ziel sind wir erst, wenn Homosexualität gesellschaftlich akzeptiert ist. Einen Grundstein dafür hat das Parlament jetzt aber gelegt.