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09.05.2017

Eintrag 003/17 Europa wieder mit neuer Energie beleben

Zu Beginn des Wahlkampfs habe ich mir natürlich viele Gedanken darüber gemacht, welche meiner politischen Standpunkte ich besonders herausstellen möchte. Viele meiner Freunde, die mir mit Rat und Tat zur Seite stehen, haben gesagt: „Finger weg vom Thema Europa, damit lassen sich keine Punkte machen!“ Ich gebe zu: Eine ganze Zeit lang habe ich dazu geneigt, diesem Rat zu folgen. Nun schreibe ich aber doch darüber und ihr merkt, dass ich mich letztendlich dagegen entschieden habe, die Finger von Europa zu lassen. Ich will euch sagen, warum das so ist:

Der Frieden, den wir in Europa seit über 70 Jahren haben, ist für meine Generation selbstverständlich geworden. Auch ich habe die Möglichkeit genutzt und ein Jahr als Student in Irland gelebt. Besonders fasziniert hat mich, wie viele Gemeinsamkeiten meine Mitstudenten hatten, obwohl sie aus ganz Europa kamen.

Die gleichen Filme gesehen, die gleiche Musik gehört, die gleichen Fußballteams bejubelt

Wir alle hatten die gleichen französischen Dramen im Kino gesehen, die gleiche Musik gehört und bei der Champions League oder der Europameisterschaft mitgefiebert. Unterschiede zwischen uns waren kaum noch anhand der Nationalität festzustellen. Das hatte ich vorher so nicht erwartet und es ist vielleicht der nachhaltigste Eindruck aus meinem Auslandsjahr.

Deswegen ist es heute für mich unvorstellbar, dass Menschen, die so ähnlich denken, fühlen und so viel gemeinsam haben, plötzlich wieder in nationale Denkmuster verfallen. Das steht in einem absoluten Widerspruch zu den Erfahrungen, die ich während meiner Zeit in Dublin gemacht habe!

Wir müssen Europa mit neuer Energie wiederbeleben!

Genau diese Gefahr sehe ich aber, wenn ich mir die Entwicklung in Europa derzeit anschaue. Rechtspopulisten und Nationalisten bekommen bei Wahlen zweistellige Ergebnisse und stellen eine reale Gefahr für das Europa dar, das mir so sehr ans Herz gewachsen ist. Ich glaube es ist an der Zeit, hier eine echte Gegenbewegung in Gang zu setzen. Wir müssen die europäische Einigung mit neuer Energie wiederbeleben!

Wir alle müssen uns klarmachen, dass Frieden gerade in Europa überhaupt keine Selbstverständlichkeit ist, sondern dass die Europäische Union auf den Trümmern des Krieges als einzigartiges Friedenswerk gebaut worden ist. Auf der anderen Seite müssen wir diese EU, die im Moment keine soziale Komponente hat und in manchen Ausformungen verbesserungswürdig ist, weiterentwickeln.

Der EU fehlt ein ambitionierter und mutiger Aufbruch

Ich glaube, wir müssen Europa auch für wirklich jeden erfahrbar machen. Bei Studenten funktioniert das heute schon ganz gut, aber besonders Azubis, auch Schülern und Menschen, die ganz normal ihrer Arbeit nachgehen, bleibt dieses Privileg meist vorenthalten.

Menschen aus einem anderen Land, vielleicht mit einer anderen Hautfarbe oder Sprache schätzen- und kennenlernen - das hilft uns dabei, Vorurteile abzubauen. Den Blödsinn, den mancher populistische Politiker erzählt, würden dann viel weniger Menschen glauben.

In diesem Jahr haben wir eine einzigartige Chance, die Weichen auf europäischen Aufbruch zu stellen. Mit Martin Schulz als Bundeskanzler können Deutschland und Frankreich wieder zu einem gemeinsamen Motor für Europa werden. Frankreich hat den ersten Schritt getan: Mit Emmanuel Macron haben die Franzosen einen reformorientierten Präsidenten gewählt, der in Berlin ein engagiertes Gegenüber braucht, um Europa mit ähnlicher Energie und festem Willen voranzubringen.

„Wer morgen sicher leben will, muss heute für Reformen kämpfen“

Das derzeitige Klein-Klein und das Ablehnen von allen großen Entwürfen ist mir zu ambitionslos und zu müde. Eine so lustlose Haltung entspricht auch nicht der Begeisterung, die ich während meiner Auslandszeit und auch heute wieder auf den „Pulse of Europe“-Demonstrationen vor allem bei jüngeren Menschen erlebe. Lasst mich heute mit einem Zitat von unserem früheren Bundeskanzler Willy Brandt enden, der gesagt hat: „Wer morgen sicher leben will, muss heute für Reformen kämpfen“.