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15.09.2017

008/17 Wohnen

In der Grundschule sollte ich im Kunstunterricht mal den Grundriss und die Möbel eines Kinderzimmers aufzeichnen, wie ich es mir wünschen würde. Tatsächlich hatte ich zu der Zeit mit meinem jüngeren Bruder ein gemeinsames Zimmer, in dem in Schränken und Regalen so ziemlich alles untergebracht war, was wir an Kleidung und Spielsachen besaßen.

Leider wurden wir ziemlich regelmäßig gezwungen unsere Sachen in diese Aufbewahrungsmöbel einzuräumen; denn unsere Eltern waren nicht der Auffassung, dass Ordnung zu halten die Entwicklung kreativer Fantasie einschränkt.

Mein Zuhause

Dennoch füllte sich das Zimmer zunehmend mit Bastelarbeiten, mitgebrachten Fund- und Erinnerungsstücken und diversen Sammlungen, zum Beispiel von Murmeln und Überraschungs-Ei-Figuren. Also haben wir unser Terrain zwar nicht unbedingt zielstrebig, aber dennoch erheblich erweitert: Papas Relax-Sessel im Wohnzimmer teilten wir uns, um entspannt Käpt’n Blaubär, die Sendung mit der Maus und das Sandmännchen im Fernsehen zu erleben. Die Schienen der elektrischen Eisenbahn (Spurweite G) verliefen vom Abfahrts-Bahnhof in unserem Zimmer über die Haltestelle an der Küchentür den Flur entlang bis zur Station Eltern-Schlafzimmer, sodass wir etwa Obst oder Saft transportieren konnten. Wenn die Bahn nicht aufgebaut oder draußen das Wetter schlecht war, haben wir auf dem Flur mit einem Schaumgummiball Fußball gespielt. Im Bad waren Quietsche-Ente, Plastikschiffe, Taucherbrille mit Schnorchel und eine Gießkanne als unverzichtbare Bade-Utensilien in einer Extra-Plastikwanne in der Badewanne verstaut. Und auf dem Balkon bepflanzten wir unseren eigenen Blumenkasten mit Gewächsen, die wir vom Straßenrand oder aus dem Urlaub mitgebracht hatten. Außerdem haben wir immer irgendwo irgendwas gebaut, wozu wir Kleinmöbel aus allen Zimmern herumrückten und natürlich Töpfe und Boxen aus der Küche brauchten.

Eigentlich war also die ganze Wohnung „mein Kinderzimmer“, sodass ich die Grundrisszeichnung für den Unterricht eher lustlos anfertigte, denn das so genannte Kinderzimmer war ja in Wirklichkeit nur ein kleiner Teil meiner Erlebniswelt zu Hause.

Wohnen ist Lebensqualität

Lage, Größe und Zuschnitt einer Wohnung bestimmen ganz wesentlich unsere Lebensqualität. Sie ist ja nicht einfach nur Unterkunft, Kochstelle und Schlafplatz, sondern materieller und sozialer Mittelpunkt unserer Existenz. Dabei entwickeln wir in der Abfolge unserer Lebensphasen ganz unterschiedliche Wohnbedürfnisse. Für mich war die erste eigene Bude mit gemeinsamer Kochstelle in der Wohngemeinschaft erstmal das Königreich eigenverantwortlichen Lebens. Gesellt sich mit der Zeit die Freundin dauerhaft dazu, kommt bald der Wunsch nach einer gemeinsamen kleinen Wohnung. Und nach der Familiengründung steigt der Platzbedarf weiter, damit der Nachwuchs seinen zunehmenden Bewegungsdrang ohne ständiges Anecken ausleben kann.

Spätestens jetzt kommen die Kosten ins Spiel: Wohnungen werden auf dem Immobilienmarkt angeboten, d. h. je günstiger die Lage und besser die Qualität, desto höher der Preis. In der Phase des beruflichen Einstiegs verlangt die familiäre Haushaltskasse nun scharfe Kalkulation, Prioritäten und Verzicht. Staatliche Hilfe und Förderung macht hier großen Sinn. Darum setze ich mich für Bundes-Wohnungsbauprogramme ein, die dem unterschiedlichen Bedarf gerecht werden.

Dass dies ganz besonders auch für barrierefreie Wohnungen für ältere Menschen gilt, erlebe ich persönlich bei jedem Besuch meiner Oma in ihrer kleinen, barrierefreien Wohnung: „Hier kann ich mich trotz meiner 92 Jahre mit dem Rollator immer noch selbstständig bewegen und versorgen.“ Und mit Blick auf meine Kandidatur für den Bundestag fügt sie hinzu: „Für so was sollst Du Politik machen!“

Versprochen.